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Die Augsburger Fugger

- von den 2 Mechanismen der Vermögensvermehrung -

Axel Grimm, Oktober 2005


Der Weg zum Anfangsvermögen

Auf welche Art und Weise die Fugger zu einem Startvermögen gekommen sind, ist unerheblich. Im Wesentlichen dürfte dies auf dem Mechanismus beruhen, der Gewinne aus Handelstätigkeiten und Gewinne aus "unternehmerischen" Handlungen erzielen läßt. Die Verwendung einer Buchführung, die einen Einblick in Zahlungsströme ermöglichten, ist sicherlich auch ein wesentliches Element, das die Schaffung eines Großteils des Reichtums in der Anfangszeit begünstigt hat.
Diese Mechanismen sind nicht Gegenstand dieses Artikels. Es gibt auch prinzipiell keine Einwände, dass der Handelsmann, der ein Risiko eingeht, nicht auch einen passenden Preis für seine Leistung erheben darf oder der Unternehmer einen Lohn für seine Arbeit erhalten darf.

Die Grundlage für hierfür ist auf jeden Fall eine Leistung.

Neben dem Mechanismus der wirtschaftlichen Tätigkeit hat im Zeitraum, in dem die Fugger ihre Geschäfte ausübten, auch noch ein zweiter Mechanismus bei der Vermögensvermehrung eine nicht zu unterschätzende Wirkung.

Die Geldvermehrung der Fugger - der 2. Mechanismus zum Reichtum

Durch das Ergebnis der Geschäftstätigkeit hat sich ein Vermögen gebildet. Ein Teil des Geldvermögens war ohne Bedarf, das real vorliegende Geld in Form von Münzen ist nicht kaufkraftwirksam gewesen und stand dem allgemeinen Geldumlauf nicht mehr zur Verfügung.
Letztendlich ensteht Geldmangel in der Volkswirtschaft. Eine Rückführung des Münzgeldes ist notwendig. Die Fugger sind dann auch zu Geldverleihern geworden. Obwohl zu der Zeit ein Zinsverbot durch die Kirchen existierte, ist dann doch ein Zins erhoben worden.

Die Zinssätze befanden sich in der Größenordnung von 60% bis 80%. Warum wurde das Geld von selbst mehr? Hat sich jemand ein Darlehen z.B. von 10.000 Münzen geliehen bei 60% Zinsen, dann ist nach einem Jahr eine Summe von 16.000 Münzen zurückgezahlt worden. Des Geldvermögen ist um 6.000 Einheiten ohne eine Leistung der Verleiher vermehrt worden. Die Leistung hat der Schuldner erbracht.

Betrachten wir den Vorgang noch mal, diesmal aus der Sicht "der Gesamtmenge der vorhandenen Geldmünzen". Vor dem Verleihvorgang gab es eine bestimmte Menge Goldmünzen und nach einem Jahr gibt es die gleiche Menge. Die Geldmenge der Fugger hat sich erhöht, die Menge der im Umlauf befindlichen Münzen hat sich verringert.

Und jetzt ganz genau: Nicht das Geld konnte sich vermehren, sondern das Geldguthaben. Mit dem Vorgang des Verleihens ist ein Guthaben/Schuldenpaar enstanden. Das Guthaben in diesem Paar hat sich durch Zins vermehrt. Die Schulden damit in gleicher Höhe. Bei der Rückzahlung/Auflösung des Guthaben/Schuldenpaares ist dann auch das reale Vermögen mehr geworden.

Das ist zunächst eine einfache Rechnung. Vorher sind 10.000 Münzen dem Markt wieder zugeführt worden. Danach sind dem Markt 16.000 Münzen entzogen worden. Doch so einfach ist es leider nicht. In der Laufzeit des Darlehens sind ein Teil der Münzen durch die Geschäftstätigkeit schon wieder bei den Fuggern gelandet. Mit Zahlen ist es einfacher zu verstehen, deshalb nehmen wir an, das 10% des Leihbetrags durch die Geschäftstätigkeit schon wieder beim Vermögen der Fugger angekommen sind (durch Einkäufe der Bevölkerung bei den Fuggerwaren). Trotzdem sind ja immer noch 16.000 Münzen als Schuldtilgung zu begleichen. Insgesamt sind dem Umlauf dann 7.000 Münzen entzogen.

Wird dieser Vorgang noch eine Handvoll Jahre fortgeführt, dann ist es leicht verständlich, dass nach einiger Zeit so gut wie alle Münzen im Haus der Fugger sind.

In der Stadt Augsburg werden Stadtführungen angeboten. Eine der Führungen betrifft die Fugger und die Fuggerei. Dabei wird der Reichtum, das Vorhandensein enormer Goldmünzenbestände im Fuggerhaus und die Fuggerei als erste Sozialsiedlung besonders hervorgehoben. In die Fuggerei dürfen auch heute noch nur katholisch gläubige Menschen einziehen, die verarmt sind und täglich mehrmals Rosenkränze für die Fugger beten. Als Grund wird angegeben, dass die Fugger Zinsen entgegen dem kirchlichen Verbot genommen haben und jetzt möglichst viele Menschen die Fugger in ihr Gebet einschließen sollten, damit der Einlaß ins Himmelreich gewährt wird.

Doch eins muß man den Fuggern auf jeden Fall sehr hoch anrechnen: Auch wenn die Fuggerei bei genauer Betrachtung nur ein Bruchteil eines Almosens ist, haben die Fugger der Bodenrente (den Mieten) einen Riegel vorgeschoben, es liegt ein Mieterhöhungsverbot vor. Die Miete eines Hauses in der Fuggerei ist seit ihrer Errichtung nicht gestiegen. Im Jahr 2004 lag die Miete bei 0,88 Euro im Jahr (ca. 7 cent/Monat).

Ist das heute auch so?

Jetzt könnte einem einfallen, dass es heute solche Familien ja gar nicht mehr gibt. Es sind doch wohl eher dann sowas wie Großkonzerne. Doch Konzerne und Unternehmen sind es nicht. Die Unternehmen sind im allgemeinen selbst hoch verschuldet. Bei einer Eigenkapitaldecke von 15% kann man kaum von reich sprechen. In der heutigen Zeit sind die großen Vermögensberge auch nur bei einem sehr kleinen Bevölkerungsanteil zu finden. Wer sich hierüber informieren möchte, dem empfehle ich die Website von H.Wozniewski. Die Site ist auch in den Links zu inhaltsverwandten Seiten mit aufgeführt.


Zusammenfassung
Es geht nicht um die Fugger. Es geht um die Wirkungsweisen, die zu Vermögensbergen führen. Die Fugger stehen hier nur als Beispiel, durch welche Mechanismen es zur Anhäufung kam. Genausogut hätten hier die Welser oder die Medici eingesetzt werden können.
Mechanismus 1:
Gewinne aus Handelstätigkeit, besonderen Fähigkeiten, unternehmerischen Handlungen, durch die ein Vermögen ohne direkten Bedarf entsteht.
Mechanismus 2:
Selbstvermehrung des Geldguthabens. Dieser Mechanismus wirkt unabängig vom anderen.

Der Unterschied zwischen beiden ist, das die Vermögensvermehrung durch Konkurrenz mit der Zeit abgebremst wird. Die Wirkung von zunehmenden Angebot und Marktsättigung verringert die Gewinnspanne. Der Zinsmechanismus schaukelt sich durch Zinseszinseffekte dagegen auch noch auf und entzieht dem Markt immer mehr liquide Mittel.

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Axel Grimm
Der Verfasser dieses Artikels

* 1963 im Ammerland, Niedersachsen