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Wirtschaftswachstum

- Verschiebung zwischen Wirtschaftsteilbereichen -

Axel Grimm, November 2008


Was immmer wieder zu hören ist

Der Rückgang des Wirtschaftswachstums führt zum Verlust von Volkseinkommen und somit zu Armut. Wenn die Wirtschaftsleistung immer weiter sinkt, sinkt der Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger. Die Wirtschaftswissenschaft geht von einem stetigen Wachstum aus.

Diese Aussage bringt alles auf einen Punkt und ist mehr als leicht zu widerlegen. Diese Aussage ist einfach nur falsch. Auch die Wirtschaftswissenschaft geht nicht von einem stetigem Wachstum aus, sondern die Wirtschaftswissenschaftler und auch hier nicht alle.

Zum Glück steht in der Aussage das Wort "Wirtschaftswachstums" und eben nicht Bestandsveränderung. Betrachten wir das doch mal in mehreren Teilbereichen, die in Summe die gesamte Wirtschaftsleistung abbilden.

Teilbereich 1: Langlebige Produkte

Beispiele: Straßen, Häuser, Möbel, Elektrogeräte, Autos, ...

Alle Unterbereiche produzieren eine messbare Menge an Gütern, gemessen in Geldeinheiten. Bereinigt um die Inflation, ergibt sich das Realwachstum.
Was heißt das in einer Realwirtschaftlichen Betrachtung über 3 Jahre?
Der Unterschied vom Vor-vor-vor-Jahr (vor 3 Jahren) zum Vor-vor-jahr (vor 2 Jahren) sei 4% mehr gewesen --> Die Wirtschaftsleistung ist um 4% gestiegen oder es gab 4% Wirtschaftswachstums in diesem Unterbereich.

Im letzten Jahr ist das Wirtschaftswachstum z.B auf 3% zurückgegangen. Es wurden "nur" noch 3% mehr Waren produziert im Vergleich zum direkten Jahr davor.

Das heißt jedes Jahr ist MEHR produziert worden als im Jahr zuvor, und das obwohl ein Rückgang des Wirtschaftswachstums festzustellen ist.

Schlussfolgerung von fast allen Politikern und Experten: Der Wohlstand ist gesunken, obwohl MEHR Waren produziert worden sind! ( ????)

Natürlich geht auch mal was kaputt und wird aus der laufenden Produktion ersetzt. Doch solange die Wirtschaftsleistung höher ist als der Erhaltungsaufwand, solange steigt auch der vorhandene Bestand. Wächst der Bestand ist der "Wohlstand" höher als im Jahr zuvor, obwohl ein Rückgang des Wirtschaftswachstums festzustellen war.

Teilbereich 2: kurzlebige Produkte

Beispiele: Nahrungsmittel, Blumen, ...

Kurzlebige Güter sind Güter, die innerhalb eines Wirtschaftsjahres wieder verbraucht werden, können kein Bestand aufbauen. Die Wirtschaftsleitung ist damit die Jahresproduktionmenge. Ist die ein Jahr später 4% höher, dann sind 4% mehr kurzlebige Güter produziert worden. Nun wird das jeweils letzte Jahr zum neuen Bezugspunkt. Wiederum ein Jahr später wird "nur noch" ein Zuwachs von 2,5% festgestellt. Es sind also erneut 2,5% mehr Waren produziert worden.

In Zahlen: 160 Einheiten vor 2 Jahren, dann 4% drauf = 166,4 und dann noch mal 2,5% auf die 166,4 = 170,6.

Das Wirtschaftswachstum ist definitiv rückläufig und trotzdem sind mehr Waren produziert worden. Wer das Wohlstandsrückgang nennt, der darüber noch nicht nachgedacht.

Teilbereich 3: Dienstleistungen

Dienstleistungen sind wie kurzlebige Güter und bilden keinen Bestand aus. Die jährliche Menge entspricht direkt der Wirtschaftsleitung.

Verschiebungen zwischen den Teilbereichen und seine Wirkung auf "Rückgang des Wirtschaftswachstums"

Sind von einem Gut genug hergestellt worden, dann wird dieser Wirtschaftsbereich seine Leistung herabfahren bzw. er muss geringer ausfallen aufgrund weniger Nachfrage. Das nennt man auch Marktsättigung (Die Marktsättigung wird am Ende des Geldes erreicht und selten erst bei Bedarfsdeckung).

Ein Bereich verzeichnet damit eine echte Schrumpfung in der Wirtschaftsleistung. Ist im Gesamtsystem trotzdem ein Wirtschaftswachstum gemessen worden, dann haben einige der anderen Bereiche die hier fehlende Menge aufgenommen und mussten auch noch darüber hinaus "wachsen".

Feststellung

Ein "Rückgang des Wirtschaftswachstums" zieht keine Wohlstandsverringerung nach sich. Das Gegenteil ist der Fall. Ich gehe hier nicht auf den Fall ein, das eine Überproduktion nur noch durch zusätzliche Arbeit der Vernichtung begegnet werden kann. In diesem Fall führt ein weiteres Wirtschaftswachstum tatsächlich zur Wohlstandsminderung.

Schlussbemerkung

Die Erkenntnis, das ein Rückgang des Wirtschaftswachstums immer noch eine Bestandszunahme bedeutet, setzt eigenständiges Denken voraus. Dieses Denken ist leider nur bei ganz wenigen gegeben. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da eine grundlegende und ernsthafte Betrachtung seitens der Wirtschaftswissenschaftler nicht durchgeführt wird.

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Axel Grimm
Der Verfasser dieses Artikels

* 1963 im Ammerland, Niedersachsen